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Schlittenfahrt

Kinderschlittenfahrt

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Alle paar Jahre wird in Fideris ein traditioneller Anlass durchgeführt. Ein Ross, ein Schlittmer, eine Schlittmerin, eine prächtig geschmückte «Rennbännä» und genügend Schnee ergeben diesen traditionellen Anlass; die Kinderschlittenfahrt. Am vergangenen Sonntag war’s wieder mal soweit.

Chaos herrscht auf dem Dorfplatz von Fideris, unmöglich durchzukommen. Kreuz und Quer stehen Schlitten mit darauf befestigten «Rennbännä», versperren lange Latten den Weg. Über die «Rennbännä» zu steigen ist auch nicht möglich, denn darob prangt ein halbbogenförmiger Kranz aus Tannenreisig, geschmückt mit Papierrosen und Bändern in allen Farben. Und immer wieder stösst eine «Bännä» dazu; aus allen vier Himmelsrichtungen. 32 sind’s um neun Uhr an diesem Sonntagmorgen. Zusätzlich tummeln sich etwa 100 aufgeregt schwatzende Kinder auf dem Platz. Kleine und grosse Kinder. Die grösseren in blauer Kutte, mit rotem Halstuch, Hut mit «Tschäppel» und umgehängtem, lustig bimmelndem Geröll. Das sind die Rosse, die Oberstufenschüler. Ihnen steht ein anstrengender Tag bevor, müssen sie doch das Gefährt samt drauf sitzendem Pärchen, Schlittmerin und Schlittmer über die vorgeschriebene Route ziehen. Die Schlittmer, - Knaben im Primarschulalter - sind ebenso gekleidet, haben meist jedoch eine Zipfelmütze auf dem Kopf. Ihre Partnerin – auch sie eine Primarschülerin – trägt traditionellerweise eine Bündner Tracht.

Zuviel Hafer zum Frühstück?
Eine halbe Stunde später hat sich das Chaos gelichtet. Nun stehen die zuvor ausgelosten Schlitten in Reih und Glied, sitzen Schlittmerin und Schlittmer artig auf dem mit Schaffellen warm gepolsterten Gefährt. Davor stampfen die angeschirrten Rosse ungeduldig, stemmen ihre Absätze in den Schnee. Hat man ihnen zum Frühstück zuviel Hafer verfüttert? Am frühen Morgen setzt sich nämlich fort, was bereits Wochen zuvor seinen Anfang nahm; den Vorgaben Genüge zu leisten. So erscheinen bei der Schlittmerin zum reichhaltig gedeckten Frühstückstisch der Schlittmer und das Ross. Ebenso ist sie verantwortlich für das Schmücken der «Rennbännä», das «Zvieri» und einem kleinen Geschenk an ihren Schlittmer, denn sie wurde von diesem Wochen zuvor auserwählt, so will’s der Brauch, – die erste und wichtigste Handlung, die manchmal für viel Aufregung und Tränen sorgt. Sicher ist, dass es manchmal auch umgekehrt läuft, die Schlittmerin sich selbstbewusst ihren Liebsten aussucht. Der Schlittmer organisiert im Gegenzug das Ross samt «Rennbännä, Latta, Leitseil und Gröll», bezahlt es für seine Dienstleistung und übernimmt die Kosten für die Getränke beim Mittagessen.

Die kostbare Fracht
Der lange farbenfrohe Zug hat sich in Bewegung gesetzt. Mühsam, denn jedes Anfahren erfordert alle Kräfte der Ziehenden. Aber Zuschauer, Eltern, Verwandte und Bekannte sind gerne behilflich. Vorerst geht’s durchs Dorf; Kreuzgasse, Unterwinkel und eine kurze, steile Gasse wieder hoch. Und hier geraten sie ins stolpern, die Rosse. Die Hufe sind heutzutage nicht mehr beschlagen, die Nagelschuhe im Museum. Aber, so ist’s Brauch, der Schlittmer hilft seinem Ross, schiebt nach Leibeskräften um seine gemütlich auf dem Schlitten sitzende Schlittmerin unbeschadet ans Ziel zu bringen. Dieses Ziel ist erst mal die Kirche; der Gottesdienst wird besucht. Danach geht die Fahrt nach Strahlegg und wieder zurück ins Dorf zum Mittagessen, einer warmen Gerstensuppe.

Im Prättigau nur noch in Fideris
Früher, noch in den vierziger Jahren zog der Fideriser Tross nach Pany oder Saas. Später, bedingt durch den Verkehr und schwarz geräumte Strassen verkürzte man, besuchte Küblis oder Jenaz. Jedoch meist in einem Abstand von mehreren Jahren, aber immer im Januar, denn der Februar als Katzenmonat war verpönt.
Ausser aus Valzeina, Furna, Seewis und Fanas berichteten aus jeder Gemeinde des Prättigaus Zeitzeugen über die Kinderschlittenfahrt. In Klosters wurde vor sechs Jahren die letzte organisiert. Heute ist es still um diesen Brauch, der zuvor alle Jahre stattfand. Nach wie vor und alljährlich durchgeführt wird der Anlass in Davos, jedoch „harzt“ es auch dort; Rosse zu finden sei heute schwierig, hiess es. Möglich ist auch, dass es den Müttern in der heutigen Zeit, in denen viele einer Arbeit nachgehen müssen, zuviel wird. In Küblis hat man Anfang der 90-er Jahre eine Neuauflage gestartet, aber bereits nach drei Jahren war der „Pfupf“ raus. 1959 fuhren die Verheirateten zum letzten Mal aus, nach Klosters. Lange gehalten hat sich der Brauch in Saas. Noch gegen Mitte der sechziger Jahre führte die Kinderschlittenfahrt nach Klosters ins Dörfji und 1952 fuhren die Ledigen mit Ross und Schlitten nach Schiers. In allen anderen Gemeinden ist der Brauch kurz vor oder nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben worden.

Den Erwachsenen abgeguckt
Aus welcher Zeit und woher diese Tradition stammt, kann nicht mehr eruiert werden. Man geht jedoch davon aus, dass er den Erwachsenen abgeguckt wurde. Wie Hans Simmen aus Fideris in einem ausführlichen Beitrag im P&H 1985 bemerkte, gehörten Schlittenfahrten in der Vergangenheit zu den wenigen Vergnügungen, die den damals eher eintönigen Winter belebten und Teilnehmer und Zuschauer gleichermassen erheiterten. Es war vor allem die ledige Gesellschaft, die dann und wann eine Schlittenfahrt organisierte, versuchte, sich mit einer vergnüglichen Ausfahrt dem anderen Geschlecht zu nähern. Im Gegensatz zu der Kinderschlittenfahrt mit ihren zweibeinigen Rossen, lenkte der Schlittmer natürlich richtige Pferde. Aber, so ist dem Bericht von Simmen zu entnehmen, auch sie sassen auf einer «Rennbännä», einer etwas grösseren, welche auf einem schmalen Ruttnerschlitten befestigt war. Rittlings sassen die Herren und führten ihr Pferd, züchtig seitwärts, mit zusammengepressten Knien die Damen. Üblich, so heisst’s in diesem Bericht, war auch, während dieser Ausfahrt mindestens einmal zu «trölen».

Schööön war’s!
"Tröölen», umkippen, gehört auch heute noch dazu. «In dr Siitä» passierts erstmals, dann mehrmals. Einige schmale Gespanne geraten auf der ins Tobel und nach Strahlegg führenden Strasse in Schieflage. Gekreische und Gelächter sind zu hören. Aber schnell ist eine Lehrkraft zur Stelle und hilft das Gefährt mit dem zerbrechlichen Kranz und den wasserempfindlichen Papierrosen wieder aufzurichten. In erster Linie der Lehrerschaft und in zweiter einem etwa fünfjährigen Turnus – so darf jedes Kind mindestens einmal in seinem Leben an diesem Anlass teilnehmen – ist es zu verdanken, dass dieser alte Brauch in Fideris immer noch durchgeführt wird. Die Lehrer organisieren das Ganze, geben ein Merkblatt heraus, so dass alle etwa wissen, was zu tun ist, wer welche Aufgaben zu erfüllen hat. Glücklicherweise wird heutzutage nicht vorgeschrieben, wie die Papierblumen auszusehen haben, welche Farbe sie vorweisen müssen. So dürfen Mütter und Grossmütter ihre Fantasie ein wenig walten lassen, dürfen oder müssen in stunden- einige in tagelanger Handarbeit Blumen aus Krepp- oder Seidenpapier anfertigen, nach den verschiedensten «Rezepten» und Lieblingsfarben. Dass dabei verglichen wird, wer denn nun den schönsten Schlitten hat, die prächtigsten Blumen, gehört dazu. Und auch, dass meist die ältere Generation der Mütter, die heutigen Grossmütter ins Tuscheln geraten, weil das «Rezept» nicht überall eingehalten wurde und nicht rot-weiss oder die Farben der Bündner Tracht verwendet wurden. Aber das stört kaum, denn einig werden sich am Schluss alle sein, Gross und Klein, nach dem obligaten «Zvieri» und dem Tanz mit den Stelserbuaba: Schööön war’s!

Erschienen im Prättigauer&Herrschäftler Jan. 2013

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